Ja, wie denn – Standesamt, Freie Trauung oder Kirche? Eine Entscheidungshilfe.

Julia Leddin
14. Oktober 2020

Julia Leddin
14. Oktober 2020

Bei der Hochzeitsplanung ist eine Frage ganz entscheidend: Wie wollt Ihr eigentlich heiraten – sprich:
Findet die Eheschließung nur auf dem Standesamt statt, gibt es zusätzlich eine freie Trauung oder zieht es Euch vor den kirchlichen Traualtar? Welche Kombinationen möglich sind, was Ihr bedenken solltet und nach welchen Kriterien Ihr Eure Entscheidung trefft. sagt Euch unser kleiner Ratgeber.

Viele Möglichkeiten, „ja“ zu sagen
Wer heiraten will, muss viele Entscheidungen treffen – und da gibt es noch viel gravierendere Dinge als den Schnitt des Kleides oder das Topping der Hochzeitstorte.

Eine der schwierigsten Frage stellt sich nämlich bereits ganz am Anfang der Planung: Standesamt, Kirche oder freie Trauung? In einigen Fällen sind sich die Paare schnell einig – kompliziert wird es, wenn die Vorstellungen und Meinungen in diesem Punkt auseinandergehen. Oder wenn noch gar keine richtige Meinung existiert. Schließlich war es ja bisher noch nie Thema. Wir haben deshalb für Euch ein paar Fakten und Infos rund um die verschiedenen Arten der Trauung zusammengestellt.

Variante 1: Nur standesamtliche Trauung

 

Der Begriff „standesamtliche Trauung“ weckt je nach Region – oder sogar je nach Stadt – ganz verschiedene Assoziationen. Denn vor wenigen Jahrzehnten hatte die zivilrechtliche Eheschließung in Ost und West ganz verschiedene Stellenwerte. In der BRD heirateten die meisten Paare auch kirchlich. Deshalb waren standesamtliche Trauungen oft nicht mehr als ein formaler Akt in einem Amtszimmer. In der DDR hingegen waren kirchliche Trauungen die Ausnahme: Es war Gang und Gäbe, beim Standesamt eine „richtige“ Zeremonie auszurichten. Mit allem sozialistischen Tamtam, versteht sich.

Das Jawort ausschließlich vor dem Standesamt ist jedenfalls oft nicht so eintönig wie sein Ruf: Wer eine*n gute*n Standesbeamt*in hat, findet sich durchaus in einer schönen Zeremonie wieder, die auch in Teilen auf das Paar eingeht. Dafür gibt es allerdings keine Garantie – denn eine*n Beamt*in kann sich in der Regel das Paar nicht aussuchen. In kleineren Gemeinden gibt es meist ohnehin nur eine Person, die Trauungen durchführt. Einfluss nehmen auf die standesamtliche Trauung könnt Ihr dennoch: Ihr könnt nämlich selbst entscheiden, in welchem Standesamt ihr heiraten wollt. Das ist grundsätzlich überall in Deutschland möglich – auch dort, wo Ihr gar wohnt. Anmelden müsst Ihr Eure Ehe allerdings an dem Ort, wo Ihr gemeldet seid.

Eine ausschließlich standesamtliche Trauung ist die richtige Entscheidung,

  • wenn Euch der Ablauf der Trauung relativ egal ist ODER
  • wenn Ihr Euch Standesamt oder Beamt*in selbst aussucht ODER

wenn Ihr nicht ausschließt, irgendwann noch einmal „groß“ zu heiraten

Variante 2: Standesamtliche und konfessionelle Trauung

 

Vor dem kirchlichen Traualtar zu heiraten, ist heute nicht mehr selbstverständlich – aber je nach Region durchaus immer noch beliebt und verbreitet. Ganz wichtig dabei: Wer in einer Kirche oder einer anderen anerkannten Glaubensgemeinschaft heiraten will, muss in jedem Fall bereits die Zivilehe vollzogen haben, also beim Standesamt geheiratet haben. Eine nur-kirchliche und nicht-weltliche Trauung ist hierzulande nicht möglich. Apropos: Gleichgeschlechtliche Trauungen oder Segnungsfeiern sind nur in manchen Konfessionen erlaubt – viele Gemeinschaften versperren sich auch heute noch.

 

Wenn beide Partner*innen gläubig sind und auch zur Gemeinde einen Bezug haben, möglicherweise sogar eine*n Pfarrer*in, Rabbiner oder Imam gut kennen und sowieso ihr Leben lang davon träumen, ist der Fall klar: Hochzeitsglocken! Redet aber offen darüber, ob Ihr wirklich beide den Wunsch habt, in dieser Form zu heiraten. Wenn Ihr feststellt, dass Ihr nur wegen der Erwartung anderer die konfessionelle Eheschließung wählen wollt, zieht ruhig die Alternativen in Betracht – denn bei Eurer Hochzeit entscheidet alleine Ihr, wie geheiratet wird.

Eine standesamtliche und anschließende kirchliche Trauung ist die richtige Entscheidung,

  • wenn Ihr die Voraussetzungen für die gewünschte Konfession erfüllt UND
  • wenn Ihr auf Tradition größten Wert legt UND
  • wenn der Glaube eine große Rolle in Eurem Leben spielt.

Variante 3: Standesamtliche und freie Trauung

Ein Grund, warum freie Trauungen in den letzten Jahren immer beliebter wurden, ist dieser: das Paar kann zu 100 Prozent darüber entscheiden, was wann wie bei der Trauzeremonie passiert – und was nicht. Es gibt also kein Hoffen und Bangen, dass ein*e nette*r Standesbeamt*im Dienst ist oder die*der Pfarrer*in einen guten Tag hat. Sowohl die Person, welche die Trauung durchführt, als auch Ablauf und Inhalte der Trauzeremonie richten sich nur nach Euren Vorstellungen.

Dabei können übrigens durchaus traditionelle oder sogar religiöse Elemente mit aufgenommen werden, wenn es einem oder beiden Partner*innen wichtig ist – aber: Es gibt eben keinen Zwang dazu. Freie Trauredner*innen führen intensive Vorgespräche mit Euch, um einen Zeremonie auf die Beine zu stellen, die Euch als Paar widerspiegelt: mit einer exklusiv für diesen Anlass verfassten Traurede, mit mit individuellen Ritualen und mit viel Raum für Eure eigenen Ideen. Ein weiterer Pluspunkt: Freie Trauungen können an jedem beliebigen Ort stattfinden. In Eurem Garten, auf einer Bergwiese, auf einem Schiff, bei einem Tauchgang – alles ist möglich.

 

Eine standesamtliche und anschließende freie Trauung ist die richtige Entscheidung,

  • wenn Euch die standesamtliche Trauung wohlmöglich nicht feierlich genug ist UND
  • wenn Ihr Eure Zeremonie zu 100% mitgestalten wollt UND
  • wenn Ihr Euch nicht durch starre Regeln und Traditionen einschränken lassen wollt.

Variante 4: Freie Zeremonie ohne Standesamt

 

Ihr seid glücklich ohne Trauschein? Tatsächlich gibt es viele Paare, die vor dem Gesetz gar nicht verheiratet sein möchten – Gründe dafür gibt es viele. Eure Liebe feiern sollt Ihr aber dennoch: Eine freie Trauung ist nicht daran gebunden, ob eine Zivilehe vorliegt oder nicht. Umgekehrt bedeutet dies natürlich, dass die Eheschließung in einer freien Zeremonie keinen „offiziellen Bestand“ hat – Ihr behaltet Euren bisherigen Familienstand und Namen, habt keine steuerlichen Vorteile und bei Angelegenheiten wie Sorgerecht, Versicherungen, Erbschaften und Co. wird es komplizierter als bei Eheleuten.

Eben das macht die Sache aber vielleicht umso romantischer: Mit einer freien Trauzeremonie als Solo macht Ihr deutlich, dass es Euch überhaupt nicht um Paragraphen, sondern einzig und allein um Euch als Paar geht. Viele Ehepaare, entscheiden sich übrigens bei großen Hochzeitstagen – zum Beispiel zur Silberhochzeit – für eine Erneuerung des Eheversprechens. Hierfür sind freie Trauredner*innen ebenfalls die idealen Ansprechpartner.

Eine ausschließlich freie Trauung ist richtige Entscheidung,

  • wenn Ihr keine Zivilehe eingehen wollt UND
  • wenn Ihr Eure Liebe in einer feierlichen Zeremonie bezeugen wollt UND
  • wenn Ihr auf alle Formalitäten pfeift.

 

Wofür entscheiden?

 

Habt Ihr nun eine Meinung zur Trauungs-Frage? Dann tauscht Euch offen und ehrlich aus – jetzt ist der richtige Zeitpunkt dafür. Hat die Planung erst richtig begonnen, ist es meist recht aufwändig, noch zurückzurudern. Vielleicht bekommen ja nicht beide Partner*innen genau das, was ihnen vorschwebt. Beim Heiraten zeigt sich eben, was auch das spätere Leben als Eheleute ausmacht: Es lebe der perfekte Kompromiss.

 

Viel Freude beim Planen!

 

Euer Omilia-Team

 

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